Brief der Ferring-Stiftung an die Bürgermeister der Insel Föhr

Liebe Bürgermeister,

Die jüngste Bananenaktion der Föhr Tourismus GmbH am vergangenen Sonnabend hat sowohl in weiten Teilen der einheimischen Bevölkerung als auch bei vielen Urlaubern, insbesondere bei solchen, die unsere Insel schon länger kennen- und lieben gelernt haben, Unverständnis und Ärgernis ausgelöst.
Die Ferring Stiftung, die sich besonders der friesischen Kultur verpflichtet fühlt, sieht sich aufgrund dieser Vorkommnisse zu einer Stellungnahme veranlasst. Wir geben ihren Wortlaut im Anhang dieses Mails einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis, da wir meinen, dass die Zeit reif ist, sich auf breiterer Basis gegen diese Machenschaften, die nichts mehr mit seriöser Tourismus-Werbung zu tun haben, zur Wehr zu setzen.
Bitte verteilt dieses Mail großzügig!

Mit herzlichen Grüßen aus Alkersum,
Volkert F. Faltings

Alles Banane?

Neuerdings regnete es zur Begrüßung in der sogenannten „Friesischen Karibik“ Bananen auf verdutzte Urlauber, sobald diese in Wyk auf Föhr nichts Böses ahnend die ankommende Fähre verließen. Augenzeugen dieses Bananensegens fühlten sich zunächst peinlich erinnert an entsprechende Aktionen während des Falls der Berliner Mauer im Herbst 1989, als selbsternannte Wohltäter damalige DDR-Bewohner – quasi wie Affen im Zoo – zentnerweise mit Bananen traktierten. Das war schon seinerzeit völlig jenseits des guten Geschmacks und an Dämlichkeit kaum zu überbieten, ohne dass die Hauptfiguren dieses Possenspiels sich offenbar der Lächerlichkeit ihrer Vorstellung bewusst waren. Selbiges gilt uneingeschränkt für den jüngsten Aktionismus der Föhr Tourismus GmbH (FTG) vom 23. Juli 2011, als Mitarbeiterinnen der FTG bei strömendem Regen und herbstlichen Temperaturen Bananen an neu ankommende Urlauber verteilten, um sie auf diese Weise in der „Friesischen Karibik“ willkommen zu heißen. Selten klafften Schein und Wirklichkeit weiter auseinander als bei der Betrachtung dieses grotesken Bildes, von dem der leicht ratlose Zuschauer nicht wusste, ob es sich dabei um den gewollten – und dann keineswegs überzeugenden – Versuch einer humoristischen Einlage handelte oder doch eher um eine unfreiwillige Form von Selbstkarikatur. Wenn nun die FTG im Zuge ihrer an sich schon grenzwertigen „Karibik“-Kampagne die besagte Bananen-Aktion als einen gelungenen Beitrag zur Föhrer Tourismuswerbung preist bzw. preisen lässt, dann trifft das die öffentliche Wahrnehmung nur sehr eingeschränkt. Weite Teile der insularen Bevölkerung und übrigens auch die der hier zur Zeit weilenden Gäste beurteilen diese „Meisterleistung“ gänzlich anders und bezeichnen sie als das, was es ist: als einen ziemlich platten und zutiefst peinlichen Mumpitz, der obendrein noch maßlos dümmlich ist.

Ärgerlich wird es indes, wenn im Weiteren behauptet wird, die für die Aktion eingeplanten friesischen Trachtengruppen hätten leider des schlechten Wetters wegen nicht teilnehmen können. Richtig ist – und die Verantwortlichen der FTG wissen das sehr wohl –, dass die Föhrer Frauen und Mädchen der betreffenden Trachtengruppen sich geschlossenen diesem entwürdigenden Zirkus verweigert haben. Es ehrt diese Frauen und Mädchen in ihrer friesischen Tracht, dass sie sich unter den Klängen heißer karibischer Rhythmen nicht zu Bananen schwingenden Korok-Affen haben degradieren lassen. Das beruhigt ungemein!

Gleichwohl bleibt ein fader Nachgeschmack. Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtfertigkeit die Initiatoren der „Friesischen Karibik“ den Begriff „friesisch“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Munde führen, wie selbstverständlich sie das Friesische oder die Friesen (was immer sie sich darunter vorstellen) als nützliche Staffage oder willfährige Statisten für ihre Zwecke zu instrumentalisieren wissen, ohne sich auch nur einen Deut dafür zu interessieren, was der Begriff „friesisch“ eigentlich beinhaltet. Darin offenbart sich nicht nur eine geballte Ignoranz, sondern auf erschreckende Weise auch ein fehlender Respekt vor der friesischen Kultur und einem Großteil der insularen Föhrer Bevölkerung, für die das Friesische mehr bedeutet als dieses oberflächliche und schnöselige Getue einer Schicki-Micki-Fun-Gesellschaft, der die „Friesische Karibik“ doch so vehement das Wort redet.

Die FTG lebt von dem Geld anderer, nämlich den Beiträgen Föhrer Bürger. Es ist an der Zeit, dass jene Bürger und die sie vertretenden kommunalen Organe diese Art von Tourismusmanagement, die sich längst verselbständigt und von den wirklichen Bedürfnissen der kleinen und mittleren Vermieter (und das ist die Masse) weit entfernt hat, einmal mehr auf den kritischen Prüfstand bringen und – falls erforderlich – die nötigen Einschnitte und Veränderungen vornehmen, vor allem auch in finanzieller Hinsicht. Auf jeden Fall kann es so mit der „Föhrer Bananenrepublik“ nicht weitergehen!

 

Volkert F. Faltings, Vorsitzender der Ferring Stiftung in Alkersum auf Föhr

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2 Kommentare zu Brief der Ferring-Stiftung an die Bürgermeister der Insel Föhr

  1. Oliver sagt:

    Föhr ist eine wunderbare, tolle Urlaubsinsel, ein perfekter Ort zum entspannen, wohlfühlen.
    Mit Karibik hat Föhr nichts zu tun. Muss es auch nicht. Denn Föhr spricht für sich.

  2. admin sagt:

    Wenn wir in den letzten Jahren etwas gelernt haben, dann das Werbung mit Seriösität wenig zu tun hat. Wahrheit, Geschmack und ähnliches können gerne auf der Strecke bleiben. Wichtig ist nur eines: Das man darüber spricht. So auch zum wiederholten Male bei der Bananenaktion. Will man solche Geschmacklosigkeiten unterbinden, muss man klare Vorgaben machen und es nicht der FTG alleine überlassen. Ansonsten zählt nur der Erfolg: Man spricht darüber, fertig.

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